Musik liegt in der Luft

Gesangsbegeisterte gründen in Hellersdorf einen Kammerchor

Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitung „Die Hellersdorfer“ und ist hier auch nochmal direkt verlinkt.

Lange Zeit sah es so aus, als wür­de dem Chorgesang in Deutsch­land die Luft ausgehen. Aber seit einigen Jahren liegt Singen wie­der im Trend. Das gilt nicht nur für Kinder und Jugendliche im Castingshow-Fieber. Immer mehr Erwachsene entdecken gemein­schaftliches Singen in lockerer Atmosphäre vor allem als Aus­gleich zum Alltagsstress für sich. „Mit Musik geht alles besser“, fin­det auch Barbara Parr. Einmal in der Woche trifft sich die ehema­lige Musiklehrerin mit Gleich­gesinnten zum Proben in der Begegnungsstätte „Grünes Haus“ (Boizenburger Straße 52-54). Die Erwachsenen zwischen 32 und 72 Jahren haben teils jahrzehntelange Chorerfahrungen und noch dazu große Ambitionen. „Wir wollen nicht irgendein neuer Gesangsver­ein sein“, sagt Barbara Parr. Unter dem Slogan „Mehr als nur LAUT“ haben sich die Männer und Frau­en zusammengefunden, um mit anspruchsvoller a-cappella-Musik in kleiner Besetzung die Chor­landschaft im Bezirk zu berei­chern. Schon Ende des Jahres will das Ensemble mit ersten Auftritten von sich hören lassen. Dafür erar­beiten sich die Sänger gerade das entsprechende Repertoire. Es soll querbeet und zeitübergreifend von der Renaissance bis zur Moderne reichen.

Um richtig loslegen zu können, fehlt dem Kammerchor aus Hellersdorf aber noch Verstärkung. Vor allem Frauenstimmen sind gefragt. Wer mitmachen möchte, sollte auf je­den Fall Freude am Singen und Chorerfahrungen mitbringen. No­tenkenntnisse sind ebenfalls von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Vor allem soll die Chemie stim­men. Deshalb stehen künftig auch gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Proben auf dem Programm.

Warum die Mitglieder des neu­en Kammerchors stark dar­an interessiert sind, auch jünge­re Menschen für ihr Projekt zu begeistern, erklärt Uwe Kirsten, der einst im renommierten Dresd­ner Kreuzchor gesungen hat: „Die meisten Erwachsenenchöre gründen sich, werden gemeinsam alt und haben irgendwann Nach­wuchsprobleme. Das soll uns nicht passieren.“ Schließlich haben die Sänger noch jede Menge vor. Neben der Teilnahme an Chorwettstreiten und Auftritten bei besonderen An­lässen wie Firmenfeiern sei auch eine temporäre Zusammenarbeit mit anderen Ensembles vorstellbar.

Und wo würde der Chor am liebs­ten einmal singen? Da müssen Bar­bara Parr und Uwe Kirsten nicht lange überlegen: Ein Auftritt im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie steht ganz oben auf der Wunschliste.